Alles fließt – sogar in natürlichem Bett, wenn Fünftklässler des AvH die Engelbek renaturieren

Lebendige Engelbek – Lernen im Fluss

Die Engelbek ist ein kleiner Bach durch Langenbek und Wilstorf, an dem das AvH in jedem Frühjahr mithilft, ihn wieder in einen natürlichen Zustand zu versetzen.

Engelbek? Was ist das?

Die Engelbek ist ein kleiner Bach in Sinstorf, Langenbek und Wilstorf. Er wurde in den 70ern „begradigt“, das bedeutet, dass der natürliche, kurvig „in Mäandern“ verlaufende Flussweg begradigt wurde. Es wurden Pfähle aus Bongossiholz, einem Tropenholz, in die Ufern gerammt und die Kurven gerade geschaufelt. Dies wurde gemacht, damit die Engelbek nicht so viel Platz einnimmt. Das Wasser sollte schnell ablaufen können, um Bauland in der Nähe der Engelbeck zu gewinnen.

Ja und?

Der Bach floss schneller und der Lebensraum vieler Kleinstlebewesen wurde zerstört. Das Ökosystem wurde erheblich verändert. Dies geschah damals an vielen Flüssen. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium hilft mit, den Bach wieder in einen ursprünglichen natürlichen Zustand zu versetzen.

Was leistet das Projekt?

Unser Renaturierungsprojekt wird immer mindestens von einer 5. Klasse betreut. Die am Engelbektag von den Schülern durchgeführten Arbeiten werden von dem Wasserbauingenieur Herrn Timm Geissler fachlich nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) geplant und mit dem Bezirksamt abgesprochen. Außerdem überwacht unser Fachmann die Qualität der von den Schülern durchgeführten Arbeiten. In jedem Jahr wird der Zustand der Engelbek neu begutachtet, so dass notwendige Korrekturen und Verbesserungen in den Arbeitsplan mit aufgenommen werden können. Jede Klasse, die bisher an der Engelbek gearbeitet hat, konnte ihre eigenen Schwerpunkte setzen.

Die Durchführung dieses Projekts ist nur durch die finanziele Unterstützung mehrerer Förderer möglich: Von Anfang an wird das Projekt vom Bezirksamt Harburg großzügig unterstützt. In den Jahren 2008 und 2009 wurde das Projekt von der Vattenfall-Umweltsiftung teilfinanziert, ab 2010 sind die Förderer neben dem Bezirksamt die Körber-Stiftung, die Körber-AG und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung.

1. Jahr 2005

Die damalige Klasse 5c hatte sich zusammen mit Herrn Timm Ruben Geissler (Büro WasserLand) vorgenommen, einen kleinen Teil der Engelbek zu renaturieren. Die Schüler entfernten die Randbefestigungen so weit wie möglich und bauten Totholzbarrieren, damit der Fluss in diesem Teilabschnitt wieder mäandrieren würde. Es entstanden Bereiche, in denen die Fließgeschwindigkeit des Baches geringer wurde, so dass man nach kurzer Zeit dort wieder Kaulquappen finden konnte.

2. Jahr 2006

Die damalige Klasse 5b hat mit Hilfe eines Flaschenzuges vorher angefertigte Steinklumpen, die mit „Polyurethan“ verklebt worden waren, in ein bereits geschaufeltes Loch im Bachbett hinein befördert. Die Steinhaufen wiegen zwischen 50 kg und 80 kg, deshalb musste ein kleiner Kran verwendt werden. Anschließend befestigten sie weitere Totholzbarrieren an den Steinklumpen.

3. Jahr 2007

Es fing an, dass die Schülerinnen und Schüler der 5d Vorschläge zu der Renaturierung machen konnten und auch manche angenommen wurden. An der Engelbek bauten sie im letzten Jahr zwei weitere Totholzbarrieren und reparierten die in den Jahren zuvor gebauten Hindernisse. Außerdem zog sie mit Hilfe des Krans eine Reihe von Bongossipfählen heraus. Dies war aber nicht so einfach, da sie ca. 1 m lang waren und aus schwerem Tropenholz bestanden. Eine große Ehre war die Einladung einiger Schülerinnen und Schüler, die in den vergangenen Jahren an der Engelbek mitgearbeitet hatten, zum ‚Tag des Ehrenamtes‘ in das Hamburger Rathaus eingeladen wurden.

4. Jahr 2008

Zum ersten Mal nahmen zwei 5. Klassen am Engelbek-Tag teil. So konnten wir in diesem Jahr sehr arbeitsteilig arbeiten. Wir hatten festgestellt, dass Hochwasser oft die errichteten Totholzbarrieren zerstört hatte. Deshalb wurde die Totholzbarrieren in diesem Jahr durch Weidenbüschel besonders geschützt. Außerdem konnten wir wieder viele Bongossipfähle entfernen. Ausgewählte Oberstufen-Schüler wirkten zum ersten Mal als Betreuer der Arbeitsgruppen mit.

5. Jahr 2009

Ein Wettbewerb des Otterzentrums Hankensbüttel ‚Natur vor unserer Haustür‘ gab ein Motto für das diesjährige Engelbek-Projekt der 5a: ‚Kann ein Fischotter an der Engelbek leben?‘ Außerdem wurde ein Engelbek-Abschnitt von der 5c genau kartographiert. Beide Arbeiten wurden gemeinsam mit einem 2. Preis gewürdigt. Eine große Freude war die Aufnahme des Engelbek-Projektes in die Liste der ‚Anstiften‘-Projekte der Körber-Stiftung.

6. Jahr 2010

Durch die Unterstützung mehrerer Organisationen konnten zum ersten Mal alle drei Parallelklassen an der Engelbek arbeiten, jede mit einem eigenen Schwerpunkt. Die Klasse 5a konnte an der Wiederherstellung eines Teils der Engelbekaue mitarbeiten, die Klasse 5b beschäftigte sich mit der biologischen Artenvielfalt und die Klasse 5c säte bachaufwärts Erlen und leistete damit ihren besonderen Beitrag zum Klimaschutz. Neu war die Unterstützung von Senior-Trainern, insbesondere im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Eine wichtige Rolle übernahm auch ein Profil-Oberstufenkurs, indem er einerseits Arbeitsgruppen von Fünftklässlern betreute und anleitete, andererseits selbstständig Beprobungen der Engelbek durchführte.

7. Jahr 2011

Zum ersten Mal arbeiteten vier fünfte Klassen an der Engelbek, wiederum betreut von dem Profil-Oberstufenkurs, der darüber hinaus wiederum selbstständig Beprobungen der Engelbek durchführte. In diesem Oberstufenkurs waren nun erstmalig auch Schüler, die bereits als Fünftklässler an der Engelbek gearbeitet hatten. Die Entfernung der alten Uferbefestigungen wurde ebenso fortgesetzt wie die Reparatur und der Neubau von Strömungslenkern. Einen Schwerpunkt bildete die sehr bewusste Ansiedelung von bestimmten Pflanzen an bestimmten Uferbereichen der Engelbek.

8. Jahr 2012

Zum ersten Mal arbeiteten in diesem Jahr fünf fünfte Klassen an der Engelbek, wiederum betreut von dem Profil-Oberstufenkurs, der darüber hinaus wiederum selbstständig Beprobungen der Engelbek durchführte. Die Arbeiten fanden erstmals zwischen dem Frankenberg und dem Außenmühlenteich statt. Wie in den vergangenen Jahren wurden Strömungslenker gebaut und Pflanzen angesiedelt, in diesem Jahr zum ersten Mal Wasserpflanzen wie der Flutende Hahnenfuß und Schwaden. Eine besondere Herausforderung war das sehr feuchte und matschige Ufer, dass nur nach Verlegung von langen Holzplanken zugänglich wurde. Erlensamen wurden gesammelt und in der Schule vorgekeimt. In einer Klasse wurde ein neuer Versuch unternommen, Erlen zu säen. In der Projektwoche im Juni wurde von einer Schülergruppe des AvH mit Unterstützung der Metropolregion Hamburg eine GPS-Rallye unter der Fragestellung „Wie lebt ein Frosch an der Engelbek?“ entwickelt. Im November wurde das Engelbek-Projekt mit demHamburger Bildungspreis ausgezeichnet.

Beteiligte Personen:

Wasserbauingenier: Timm Ruben Geissler (Büro WasserLand) mit Herrn Panzer und Frau Wolkenhauer
Projektleiter am AvH: Frau Grimm und Herr Groth
Weitere Lehrkräfte: Frau Bergholter, Herr Trost, Frau Musolf-De Nardo, Herr Renner, Frau Mauritz, Frau Berger, Herr Stawowy, Herr Schilling u. v. a. (insb. Klassenlehrerinnen und -lehrer)
über die Jahre inzwischen insgesamt über 600 Schülerinnen und Schüler aus den 5. Klassen sowie über 100 aus der Oberstufe
und Senior Trainer, einige Eltern, Ehemalige, Gäste

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